Fastenchallenge gegen Corona.

Als hätte ich nicht schon irgendwie genug damit zu tun, hier ein Kind durch die Krise zu begleiten, tue ich mir selber auch noch eine Krise an. Die Fastenkrise nämlich. Seit zwei Tagen faste ich nun. Die schlimmsten Kopfschmerzen sind hoffentlich bereits vorüber und ich befinde mich an Tag 3. Üblicherweise der Tag an dem ich mich dem Fasten ergeben und mich mit meinem Schicksal abgefunden habe.

Warum überhaupt Fasten?

Ich habe bereits im letzten Jahr, zufälligerweise sogar genau zur gleichen Zeit, gefastet. Letztes Jahr hatte ich mir eine Mama-Auszeit auf Sardinien genommen und war eine Woche in einem Agriturismo. Und ich hatte die irrsinnige Idee dort zu fasten. Allein, frei von allen Ablenkungen, sozialen Kontakten und Verpflichtungen, dachte ich mir, würde das bestimmt super gehen. Ging es auch. Ich habe 8 Tage gefastet, kam nach Hause und dann ging auch alles ziemlich rapide den Bach runter. Plötzlich war das Familienleben und der Alltag wieder voll da und damit auch alle Gewohnheiten. Das war auf Sardinien anders. Da war der Kühlschrank nun mal leer, es gab keinen Kaffee und kein Kind, dass sich ein Bueno reinhaut, während du traurig in deinem Fastentee rührst.

Diesmal gibt es kein Sardinien, aber frei von sozialen Kontakten und Verpflichtungen bin ich wegen Corona ja nun auch ein wenig. Aber das Kind und die Buenos sind als Levelbosse natürlich täglich mit am Start. Aber: Die letzten Wochen seit dem Shutdown habe ich mich alles andere als gut ernährt, sämtliche Routinen sind hier den Bach runtergegangen und Essen ist ja sowieso mein Leidensthema Nummer eins. Seitdem ich in und nach der Schwangerschaft so viel zugenommen ist mein Essverhalten komplett gestört. Ein sechsmonatiges ärztlich geführtes Programm mit viel Sport und Gruppenterminen konnte daran leider auch nichts ändern.

Also Fasten zum Abnehmen?

Nein. Ich weiß vom letzten Jahr, dass die Kilos ratzfatz wieder drauf sind, wenn man nicht aufpasst. Und mit aufpassen ist gar nicht so sehr aufpassen gemeint, sondern eher anpassen, denn wenn man nach dem Fasten irgendwann (auch irgendwann nach den Aufbautagen) einfach wieder so isst, wie vorher, dann nimmt man wieder zu. Denn vorher hat man ja auch zugenommen, weil man zu viel gegessen hat, also mehr Kalorien zugeführt hat, als man verbraucht hat. Wenn man dieses Missverhältnis nicht in den Griff bekommt, dann wird der Körper natürlich wieder zunehmen. Was soll er auch anderes machen?

Vor allem faste ich, weil es mir letztes Jahr unheimlich gut getan hat. Fasten hebt die Stimmung, kaum zu glauben, aber es ist tatsächlich so. Fasten regt allerlei Prozesse im Körper an. Ob man nun an Schlacken im Körper glauben mag, oder nicht. Der Prozess der Autophagie hingegen ist unbestritten. Der Körper räumt auf, wenn er im Fastenmodus ist und bei mir gibt es eine Menge aufzuräumen.

Ich leide unter atopischen Ekzemen(Neurodermitis), habe chronisch-rezidivierende Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis), Migräne und bin darüber hinaus auch noch scher übergewichtig. Genug Stoff also, womit sich mein Körper während der Fastenzeit so beschäftigen kann.

Fastenchallenge im Homeoffice

Ich sag’s ganz ehrlich wie es ist: Ich habe es mir nicht so schlimm vorgestellt. Vielleicht weil es letztes Jahr auf Sardinien natürlich superleicht war, ins Fasten reinzukommen, ich hatte da ja schließlich Idealbedingungen, wenn man so will. War ich müde, habe ich mich einfach hingelegt und geschlafen. Wollte ich spazieren gehen, ging ich am Meer spazieren. Ich hatte Urlaub und musste nichts tun, musste nicht funktionieren. Das ist nun völlig anders. Das Kind ist ja nicht mal in der Schule, das heisst, ich bin hier ja nun komplett im Dauereinsatz. Homeschooling, nebenher arbeiten, „Mamaaaaa!!! Ich hab Hunger!!!“, „Mamaaaaa!!! Mir ist langweilig!!!“, Mama hier, Mama da, Mama macht und tut den ganzen Tag.

Hier ist es nun eben nicht so, dass ich mich mit meinem Leberwickel ins Bett verziehen und die Kopfschmerzen verschlafen kann. Hier kann ich nicht einfach ans Meer fahren und mir den Kopf freilaufen. Hier muss ich zwischen Mathe und Deutsch die Stellung halten und Kartoffelpüree mit Fischstäbchen kochen. Hilfe.

Aber vielleicht ist das ja auch dann tatsächlich der Weg, der das wirkliche Umdenken oder Umlernen mit sich bringt. Auf Sardinien war es eben leicht, vielleicht also zu leicht, zu fasten. Das war, wenn man so will, eben nicht mein natürliches Habitat und als ich dann in meinen ursprünglichen Lebensraum zurückgekehrt war, waren all die schönen neuen Verhaltensweisen, weg. Irgendwo verloren im Flieger zwischen Olbia und Stuttgart. (Indem ich das angebotene Sandwich übrigens nicht gegessen habe!)

Ich habe also ein wenig die Hoffnung, dass ich nun, wenn ich also unter verschärften Bedingungen hier zuhause faste, im Kopf doch wirklich einmal die Kurve kriege. Ich habe jetzt schon an 5 Tagen morgens „Nein“ zu meinem Kaffee gesagt – und ich liebe meinen Kaffee! – vielleicht gelingt es mir dann auch nach dem Fasten morgens wenigstens zu nach einem Kaffee zu allen weiteren nein zu sagen. Vielleicht bekomme ich endlich mal in meinen Kopf rein, dass ich alles essen kann, aber nicht essen muss. Dass kleinere Portionen doch völlig ausreichen, denn wenn ich mit nichts auskomme, dann doch erst recht auch mit weniger.

Das alles sind Themen, die sich dann vielleicht am Ende meiner Fastenkur zeigen werden. Im Moment gilt es noch hier gleichzeitig Fasten und den Laden hier am Laufen halten unter einen Hut zu bringen. Darauf noch einen Pfefferminztee. Cheers.

Alles Liebe ♡

Liv

Related Posts

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.