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Mein Berufsalltag als Personal Trainer läuft nach einem straffen Taktplan. Pünktlichkeit ist für mich keine lästige Pflicht, sondern Ausdruck von Respekt – gegenüber meinen Klienten und auch mir selbst. Deshalb sind meine Tage bis ins Detail durchstrukturiert.
So nutzte ich eine seltene Freistunde zwischen zwei Trainings, um kurz bei einer nahegelegenen Arztpraxis hereinzuschauen. Ein kleines Arztgespräch und eine Blutabnahme – in meiner Planung war das ein lockerer 20-Minuten-Job. Anschließend wollte ich mental und körperlich ein wenig durchatmen, bevor es weiterging.
Natürlich kam es anders.
Nach meiner Anmeldung ließ ich mich entspannt im Wartezimmer nieder. Die Minuten verstrichen. Nach 15 Minuten wagte ich die erste Nachfrage an der Anmeldung, ob ich vielleicht vergessen worden sei. Ein irritierter Blick, dann die knappe Aufforderung: „Bitte nehmen Sie wieder Platz.“ Nach einer halben Stunde fragte ich erneut. Die Entspanntheit war da schon verflogen, der Blick auf die Uhr machte mich unruhig. Ich erklärte, dass ich nur eine Blutentnahme benötigte und im Anschluss weitere Termine habe. Wieder wurde ich vertröstet.
Kaum hatte ich mich wieder gesetzt, betrat ein Laborkurier die Praxis. Ich ahnte, dass er gleich meine einzige Chance auf Blutabnahme mitnehmen würde. Minuten später wurde ich tatsächlich aufgerufen – aber nicht zur Blutentnahme, sondern zu einem Anamnesegespräch, das mich von Ton und Inhalt fatal an meine Musterungen erinnerte (ich durfte das gleich zweimal erleben: erst für die Nationale Volksarmee, später für die Bundeswehr).
Dann kam der Blutdruck. Die medizinische Assistentin – eine deutlich übergewichtige Dame – legte mir die Manschette an, las den Wert ab und sah mich an, als hätte ich gerade eine Straftat begangen: „Ihr Blutdruck ist viel zu hoch. Da sollten Sie wohl mal besser auf sich achten!“ Mein vorsichtiger Einwand, dass mein erhöhter Blutdruck wahrscheinlich mehr mit der aktuellen Situation und weniger mit meinem Lebensstil zu tun habe, stieß auf taube Ohren.
Im anschließenden Arztgespräch setzte sich dieser Ton nahtlos fort. Meine getreidefreie Ernährung? Für den Arzt unbegreiflich. „Woher wollen Sie denn bitte Ihre Ballaststoffe bekommen?!“ Der Schlagabtausch, der sich daraus entwickelte, war haarsträubend. Er endete mit einem spitzen Hinweis darauf, dass er schließlich nicht nur Arzt, sondern auch Buchautor zum Thema Ernährung sei. Mein Wunsch, auf eigene Kosten ein paar Blutwerte bestimmen zu lassen, wurde lapidar abgelehnt – der Laborkurier habe die Proben ja schon mitgenommen. Den hatte ich selbst wenige Minuten zuvor hinausgehen sehen.
Mein betont freundliches Feedback zu diesem „Service“ und der Patientenkommunikation kam erwartungsgemäß nicht gut an.
Diese Begebenheit liegt schon einige Jahre zurück. Aber ich bin sicher, ähnliche Szenen spielen sich auch heute noch täglich in deutschen Arztpraxen ab. Kurzfristig war das damals ein ziemlicher Puls- und Blutdrucktreiber – langfristig war es aber ein wichtiger Wendepunkt.
Im Englischen heißt es so schön: „You connect the dots after.“ Häufig muss erst ein Fass überlaufen, bis wir ins Handeln kommen. Für mich war diese Szene der berühmte letzte Tropfen, der mich endgültig ins Machen brachte. Heute verfüge ich über Wissen und kann mich nicht nur selbstbestimmt, sondern auch proaktiv um meine Gesundheit und Leistungsfähigkeit kümmern.
Neben den Themen Sport und Ernährung, die mich schon mein gesamtes Leben begleiten, sind regelmäßige Blutbilder inzwischen eine weitere zentrale Säule meiner Longevity-Reise. Dies eigenverantwortlich und ohne ständiges Erklären oder Bittstellen bei Ärzten tun zu können, empfinde ich als echtes Privileg. Dieser Weg steht jedem offen – und ich kann ihn nur wärmstens empfehlen. |